KRITIS-Dachgesetz 2026: Pflichten für Betreiber kritischer Infrastrukturen
Was ist das KRITIS-Dachgesetz und warum gibt es das?
Das KRITIS-Dachgesetz (Gesetz zur Stärkung der Resilienz kritischer Anlagen) setzt die europäische CER-Richtlinie (Critical Entities Resilience) in deutsches Recht um.
Ziel: Kritische Infrastrukturen sollen widerstandsfähiger gegen alle Arten von Bedrohungen werden – von Sabotage über Naturkatastrophen bis zu technischen Ausfällen.
Das Besondere: Anders als bisherige Regelungen (z.B. NIS2 für Cybersicherheit) fokussiert sich das KRITIS-Dachgesetz auf physische Resilienz – also Werkschutz, Objektsicherung, bauliche Maßnahmen und Krisenmanagement.
Der All-Gefahren-Ansatz bedeutet: Betreiber müssen sich nicht nur gegen einzelne Risiken wappnen, sondern ganzheitlich denken – Sabotage, Brand, Hochwasser, Stromausfall, Einbruch.
Die wichtigsten Punkte
Das KRITIS-Dachgesetz macht physische Sicherheit zur gesetzlichen Pflicht
Wichtige Frist: 17. Juli 2026 für Registrierung beim BBK
Danach: 9 Monate Zeit für Risikobewertung, 10 Monate für Umsetzung aller Maßnahmen
Betreiber müssen Werkschutz, Perimeterschutz und Resilienzpläne implementieren
Bei Nichteinhaltung drohen ab 2027 empfindliche Bußgelder
Bin ich vom KRITIS-Dachgesetz betroffen?
Das Gesetz gilt für Anlagen, deren Ausfall mindestens 500.000 Menschen betreffen würde.
| Sektor | Beispiele |
|---|---|
| Energie | Kraftwerke, Umspannwerke, Gaspipelines, Stromnetze |
| Wasser | Wasserwerke, Kläranlagen, Talsperren |
| Gesundheit | Große Krankenhäuser, Blutbanken, Rettungsleitstellen |
| Verkehr | Flughäfen, Bahnhöfe, Häfen, Leitzentralen |
| Telekommunikation | Rechenzentren, Mobilfunkknotenpunkte |
| Ernährung | Großlager, zentrale Verteilzentren |
Wichtig: Bundesländer können niedrigere Schwellenwerte festlegen. Das bedeutet: Auch regional wichtige Stadtwerke, kleinere Krankenhäuser oder lokale Verkehrsbetriebe können betroffen sein.
Checkliste: So prüfen Sie Ihre Betroffenheit
- Würde ein Ausfall unserer Anlage mehr als 500.000 Menschen treffen?
- Hat unser Bundesland niedrigere Schwellenwerte definiert?
- Wurden wir vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BBK) kontaktiert?
- Betreiben wir Anlagen in einem der genannten Sektoren?
Was muss ich konkret umsetzen?
1. Registrierung beim BBK
Alle betroffenen Betreiber müssen ihre kritischen Anlagen beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe registrieren.
Was Sie tun müssen:
Online-Registrierung über das BBK-Portal
Angabe von Standort, Sektor, Versorgungsbereich
Benennung eines Ansprechpartners
Deadline: 17. Juli 2026
2. Risikobewertung erstellen
Basierend auf der Risikobewertung müssen Sie dokumentieren:
Welche Schutzmaßnahmen Sie ergreifen
Wie Sie im Krisenfall reagieren
Wie Sie den Betrieb wiederherstellen
Wer wofür verantwortlich ist
Wichtig: Sie müssen nicht nur einen Plan erstellen, sondern alle darin beschriebenen Schutzmaßnahmen innerhalb von 10 Monaten nach Registrierung umsetzen.
Praxis-Tipp: Der Plan muss getestet werden. Führen Sie mindestens jährlich Notfallübungen durch.
Frist: 10 Monate nach Registrierung
3. Resilienzplan entwickeln und umsetzen
Sie müssen alle Bedrohungen für Ihre Anlage systematisch analysieren.
Wichtig: Die Frist beginnt ab Ihrer Registrierung. Wer sich am 17. Juli 2026 registriert, hat bis April 2027 Zeit für die Risikobewertung.
Diese Risiken müssen Sie bewerten:
Vorsätzliche Bedrohungen:
Sabotage und Terrorismus
Einbruch und Diebstahl
Vandalismus
Innentäter und Spionage
Nicht-vorsätzliche Bedrohungen:
Naturkatastrophen (Hochwasser, Sturm, Erdbeben)
Brand und Explosion
Stromausfall
Technisches Versagen
Menschliches Versagen
Frist: 9 Monate nach Registrierung
4. Physische Schutzmaßnahmen umsetzen
Das Gesetz fordert Sicherheit nach „Stand der Technik“. Das bedeutet in der Praxis:
Perimeterschutz
- Robuste Zäune (mind. 2,5 m Höhe)
- Kontrollierte Zugangstore mit Identifikationsprüfung
- Beleuchtung aller Außenbereiche
- Sichtbare Beschilderung
Zutrittskontrollsysteme
- Elektronische Schließsysteme mit Protokollierung
- Chipkarten oder biometrische Verfahren
- Vier-Augen-Prinzip für hochsensible Bereiche
- Besuchermanagement mit Registrierung
Videoüberwachung
- Lückenlose Kameraabdeckung kritischer Bereiche
- Aufzeichnung für mind. 72 Stunden
- Intelligente Alarmierung bei Auffälligkeiten
- DSGVO-konforme Datenspeicherung
Alarmsysteme
- Einbruchmeldeanlage nach VdS-Standard
- Brandmeldeanlage mit automatischer Feuerwehr-Alarmierung
- Überfallmelder für Personal
- 24/7-Aufschaltung auf Leitstelle
Das ist neu: Menschliche Sicherheitspräsenz wird zur gesetzlichen Pflicht.
Mindestanforderungen an Sicherheitspersonal:
Sachkundeprüfung nach § 34a GewO
Werkschutz-Qualifikation für besonders kritische Anlagen
Brandschutzhelfer-Ausbildung
Erste-Hilfe-Zertifizierung
Schulung zu anlagenspezifischen Risiken
Was Werkschutz konkret leistet:
Zugangskontrollen mit Identitätsprüfung
Regelmäßige Objektrundgänge
Überwachung von Sicherheitssystemen
Erste Reaktion bei Alarmen
Evakuierung im Krisenfall
Lückenlose Dokumentation
5. Lieferketten absichern
Sie müssen sicherstellen, dass kritische Zulieferungen nicht unterbrochen werden:
Verträge mit garantierten Lieferzeiten
Alternative Lieferanten als Backup
Notvorräte kritischer Ersatzteile (z.B. Pumpen, Filter, Steuerungstechnik)
Wie erfülle ich die Anforderungen praktisch?
Schritt 1: Bestandsaufnahme (Gap-Analyse)
Prüfen Sie ehrlich:
Welche Schutzmaßnahmen haben wir bereits?
Wo sind die größten Lücken?
Welches Budget brauchen wir?
Kostenlos-Tipp: Viele Sicherheitsdienstleister bieten eine kostenlose Erstberatung und Gap-Analyse an.
Schritt 2: Risikobewertung mit Experten durchführen
Beauftragen Sie erfahrene Sicherheitsberater, die Ihre Branche kennen.
Sie bringen:
Kenntnis aktueller Bedrohungslagen
Bewertungsmethoden (z.B. Risikomatrix)
Branchenspezifische Best Practices
Zeitplan: Planen Sie 4-8 Wochen für eine professionelle Risikobewertung ein.
Schritt 3: Quick Wins umsetzen
Einige Maßnahmen lassen sich schnell realisieren:
Verbesserung der Außenbeleuchtung (1-2 Wochen)
Zusätzliche Kameras installieren (2-4 Wochen)
Schulung vorhandenen Personals (sofort)
Besuchermanagement-System einführen (1 Monat)
Schritt 4: Langfristige Maßnahmen planen
Andere brauchen mehr Vorlauf:
Aufbau 24/7-Werkschutz (2-3 Monate)
Elektronische Zutrittskontrolle (3-4 Monate)
Bauliche Verstärkungen (6-12 Monate)
Wichtig: Sie haben maximal 10 Monate nach Registrierung Zeit. Starten Sie daher sofort nach der Registrierung.
Schritt 5: Professionellen Werkschutz etablieren
Eigener Werkschutz vs. Sicherheitsdienstleister?
| Kriterium | Eigener Werkschutz | Externer Dienstleister |
|---|---|---|
| Verfügbarkeit | Lange Rekrutierungszeit | Sofort einsatzbereit |
| Kosten | Hohe Fixkosten | Flexible Anpassung |
| Qualifikation | Eigenverantwortung | Zertifiziertes Personal |
| Vertretung | Muss selbst organisiert werden | Übernimmt Dienstleister |
| Compliance | Eigenverantwortung | Dokumentation inklusive |
Empfehlung für KRITIS-Betreiber: Externe Dienstleister wie Pond Security, die über KRITIS-Erfahrung verfügen, bieten in der Regel das bessere Kosten-Nutzen-Verhältnis.
Schritt 6: B3S-Standards nutzen
Pond-Insider-Tipp: Wer anerkannte branchenspezifische Sicherheitsstandards (B3S) umsetzt, erfüllt automatisch die gesetzlichen Anforderungen.
Vorteil: Keine Doppelprüfungen, standardisierte Nachweise, Akzeptanz durch Behörden.
Prüfen Sie, ob für Ihre Branche B3S-Standards existieren (z.B. für Energieversorger, Wasserwerke).
Wie Pond Security Sie bei KRITIS-Compliance unterstützt
Als Sicherheitsdienstleister für kritische Infrastrukturen fokussieren wir uns auf physische Sicherheit:
Kostenlose Erstberatung
- Betroffenheitsprüfung
- Gap-Analyse Ihrer aktuellen Sicherheit
- Individuelle Handlungsempfehlungen
Risikobewertung & Sicherheitskonzepte
- Professionelle Risikoanalyse nach All-Gefahren-Ansatz
- Entwicklung compliance-konformer Resilienzpläne
- Unterstützung bei Behördenkommunikation
Zertifizierter Werkschutz
- Sachkundeprüfung § 34a GewO
- Werkschutz-Qualifikationen
- Brandschutz & Erste Hilfe
- 24/7-Verfügbarkeit
Maßgeschneiderte Sicherheitslösungen
- Objektschutz und Zugangskontrollen
- Mobile Patrouillen
- Leitstellenanbindung
- Krisenmanagement
Compliance-Dokumentation
- Audit-fähige Berichte
- Schulungsnachweise
- Vorfallsdokumentation
Inhaltsverzeichnis
- FAQ
Häufige Fragen zum KRITIS - Dachgesetz
NIS2 regelt Cybersicherheit (digitale Bedrohungen), das KRITIS-Dachgesetz physische Sicherheit (Sabotage, Brand, Einbruch). Viele Unternehmen fallen unter beide Gesetze.
Grundsätzlich Sie selbst durch Selbsteinschätzung. Das BBK kann aber auch Betreiber identifizieren und kontaktieren.
Sie verstoßen gegen geltendes Recht und riskieren Bußgelder ab 2027. Registrieren Sie sich daher rechtzeitig.
Nein, ISO 27001 deckt nur IT-Sicherheit ab. Das KRITIS-Dachgesetz fordert physische Sicherheitsmaßnahmen zusätzlich.
Nein, aber Sie brauchen qualifiziertes Sicherheitspersonal. Viele Betreiber setzen auf externe Dienstleister wie Pond Security auf Grund von Kosten und Flexibilität.
Ihr vertrauenswürdiger Sicherheitspartner.
Führende Unternehmen und Institutionen vertrauen auf Pond Security. Unsere Sicherheitslösungen schützen Bundesweit namhafte Organisationen in Industrie, Handel und dem öffentlichen Sektor.
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